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20. September 2022

„Und viele Brücken sind stufig – dennoch war ich da“

Nachruf auf Dr. Ilja Seifert

Am 10. September verstarb Dr. Ilja Seifert, Vorsitzender des Allgemeiner Behindertenverband in Deutschland e.V.ABiD-Instituts Behinderung & Partizipation e.V. (IB&P), im Alter von 71 Jahren. Das ist ein sehr schmerzlicher Verlust. Wir trauern gemeinsam mit seiner Mutter Elvira, seinen Söhnen Jan Honza und Michael, seinen drei Enkeln und zahlreichen weiteren Familienangehörigen, mit vielen Freundinnen und Freunden, vor allem aus der nationalen und internationalen Behindertenbewegung, aus der Politik und der Partei DIE LINKE.

Ilja Seifert, geboren am 6. Mai 1951 in Berlin, hatte im August 1967 einen Badeunfall und war seitdem im Halswirbelbereich querschnittsgelähmt. Nach seinem Germanistik-Studium an der Humboldt-Universität zu Berlin, das er 1974 als Diplom-Germanist abschloss und seiner Promotion zum Dr. phil. an der Akademie der Wissenschaften der DDR war er in der Kulturarbeit tätig.

In der Wendezeit gehörte er zu den Begründern des Berliner Behindertenverbandes und des Behindertenverbandes der DDR, der nach dem 3. Oktober 1990 als Allgemeiner Behindertenverband in Deutschland „Für Selbstbestimmung und Würde“ e.V. (Allgemeiner Behindertenverband in Deutschland e.V.ABiD) weiter arbeitete. Viele Jahre stand er an der Spitze beider Verbände – Selbstbestimmung und Würde war für ihn Programm. Ilja Seifert vertrat den Allgemeiner Behindertenverband in Deutschland e.V.ABiD lange Zeit im Deutschen Behindertenrat (DBR) und war vom DBR ins Europäische Behindertenforum (EDF) entsandt. Zahlreiche öffentliche Protestaktionen von Menschen mit Behinderungen sind mit seinem Namen verbunden, zum Beispiel die Demonstrationen am 5. Mai in Berlin zu dem seit 1992 stattfindenden Europäischen Protesttag für die Rechte von Menschen mit Behinderungen. Er war auch aktiv an dem Weg beteiligt, der am 15. November 1994 zur Aufnahme des Verbots der Benachteiligung von Menschen mit Behinderungen in Art. 3 Abs. 3 des Grundgesetzes führte. Sein gesamtes politisches und gesellschaftliches Streben war von dem Ziel erfüllt, dieses Benachteiligungsverbot mit Leben zu erfüllen und umzusetzen.

Auf Initiative von Ilja Seifert gründete sich am 5. April 2018 an der Alice-Salomon-Hochschule Berlin das Allgemeiner Behindertenverband in Deutschland e.V.ABiD-Institut Behinderung & Partizipation e.V. (IB&P), zu dessen Vorsitzenden er gewählt wurde. Sein Ziel war es, mit dem IB&P die Selbstvertretungs- und Selbsthilfefunktionen des Allgemeiner Behindertenverband in Deutschland e.V.ABiD durch praxisbasierte wissenschaftliche Analysen auf eine fundierte Grundlage zu stellen, zu erweitern und wirksamer zu gestalten. Das IB&P betrachtet sich als Teil der Disability Studies Community in Deutschland; seine Spezifik besteht darin, getreu dem Motto „Nichts über uns ohne uns!“ aus der Betroffenenperspektive zu agieren. Davon zeugen die unter Federführung von Ilja Seifert erarbeitete Machbarkeitsstudie für die Tätigkeit eines solchen Instituts, die Allgemeiner Behindertenverband in Deutschland e.V.ABiD-Studie „Alt werden mit Behinderung – Mittendrin ein Leben lang“ sowie seine Mitwirkung an der 2021 fertiggestellten Ausstellung „überZEUGEN: Geschichten von Menschen mit Behinderungen aus Deutschland und der Ukraine“.

An der Spitze des Allgemeiner Behindertenverband in Deutschland e.V.ABiD und des IB&P engagierte sich Ilja Seifert über 15 Jahre lang für die Kooperation mit Behindertenorganisationen in den zwölf Nachfolge-Staaten der ehemaligen Sowjetunion. Entstanden ist eine in Deutschland einmalige internationale Zusammenarbeit mit zahlreichen Veranstaltungen und Projekten, bei denen der Erfahrungsaustausch zur Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention im Mittelpunkt steht. Dabei war Ilja Seifert auch Brückenbauer zwischen den Behindertenorganisationen in Osteuropa sowie Zentralasien und der Europäischen Union.

Ilja Seifert wurde am 19. März 1990 über die Liste der PDS Berlin in die Volkskammer der DDR gewählt. Als einer von 144 Volkskammerabgeordneten wurde er am 3. Oktober, mit dem Tag der Deutschen Einheit, in den Bundestag (11. Wahlperiode) kooptiert und war damit auch der erste im Rollstuhl sitzende Bundestagsabgeordnete im gesamtdeutschen Parlament. Für insgesamt vier weitere Wahlperioden (1990-1994, 1998-2002, 2005-2013) wurde er als Abgeordneter der PDS bzw. der LINKEN in den Bundestag gewählt. Ilja Seifert war behindertenpolitischer Sprecher seiner Fraktion und in verschiedenen Ausschüssen tätig. Zu seinen Themen gehörten auch die Bau- und Wohnungspolitik, die Tourismuspolitik, die Sozial,- Gesundheits- und Pflegepolitik sowie der Sport. Nachhaltig wirkt zum Beispiel sein Engagement für die Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention, für ein Bundesteilhabegesetz und eine wirkliche Pflegeabsicherung oder für die Contergan-Opfer. Diese Vielfalt wird auch in seinen 243 Bundestagsreden sowie in ungezählten parlamentarischen Initiativen (Gesetzentwürfe, Anträge, Anfragen) deutlich.

Auch in seiner langjährigen ehrenamtlichen Tätigkeit im Parteivorstand der PDS bzw. der LINKEN stand der Kampf um soziale Gerechtigkeit und eine inklusive Gesellschaft im Mittelpunkt.

Ilja Seifert hat zahlreiche Gedichte und Essays geschrieben und veröffentlicht. Sie sind tiefgründig, humorvoll, politisch oder auch erotisch, und sie fanden nicht nur auf Lesungen, sondern auch auf Veranstaltungen, die er als Behindertenaktivist oder als Bundestagsabgeordneter bestritt, großen Anklang. Mehrere Bücher gab er in den 90er Jahren gemeinsam mit seinem Freund Christian Schröder heraus, mit dem er auch ab 1995 als „Sachverständigenbüro für barrierefreies Leben Seifert & Schröder“ u.a. Kommunen zu Fragen der Barrierefreiheit beriet. Zu erwähnen sind auch seine Lehraufträge an der Humboldt-Universität Berlin, der Karls-Universität in Prag und an der Hochschule Zittau-Görlitz.

Am 20. September 2010 erhielt Ilja Seifert den Elke-Bartz-Preis. Mit dieser erstmals verliehenen Auszeichnung wollte das Forum selbstbestimmter Assistenz (ForseA) behinderter Menschen im Sinne seiner 2008 verstorbenen Gründungsvorsitzenden Menschen ehren, die sich um das selbstbestimmte Leben behinderter Menschen verdient gemacht haben. Zahlreiche Gratulanten aus der emanzipatorischen Behindertenbewegung, aus Verwaltung und Politik waren zur Preisverleihung im Berliner Kleisthaus erschienen, unter ihnen auch Gregor Gysi, der Fraktionsvorsitzende der Linken im Bundestag. Gysi würdigte in seinem Grußwort das beharrliche Eintreten Ilja Seiferts für eine gleichberechtigte Teilhabe von Menschen mit Behinderungen, von ihm habe er selbst wie auch die Mitglieder seiner Fraktion viel gelernt. „Gegen das Behindert-Werden haben wir gelernt, uns zu wehren. Wir haben gelernt, Barrieren nicht als gottgegeben hinzunehmen. Wir haben gelernt, sie zu erkennen, ihre Hinderlichkeit zu benennen und ihre Beseitigung anzuregen. Barrieren aller Art. Bauliche und kommunikative. Nicht zuletzt Barrieren in den Köpfen. „Behinderungen sind Menschenrechtsfragen. Es geht darum, alle Facetten unserer Persönlichkeit frei entfalten zu können“, betonte Ilja Seifert nach der Übergabe des Preises.

Im März 2018 schlug der Allgemeiner Behindertenverband in Deutschland e.V.ABiD dem Bundespräsidenten vor, Dr. Ilja Seifert den Verdienstorden der Bundesrepublik Deutschland zu verleihen. Am 3. Juni 2019 erreichte den Allgemeiner Behindertenverband in Deutschland e.V.ABiD ein Schreiben des Regierenden Bürgermeisters von Berlin in dem es hieß: „Auch wenn die erbrachten Leistungen sicherlich Anerkennung verdienen, ist es dem Herrn Bundespräsidenten – auch im Hinblick auf ähnlich gelagerte Fälle – nicht möglich, Herrn Seifert mit dem Verdienstorden der Bundesrepublik Deutschland zu ehren.“ Von diesem Vorgang hat Ilja nie erfahren – Ehrungen waren für ihn, abgesehen vom Elke-Bartz-Preis, nicht wichtig.

Ilja Seifert hinterlässt neben seinen Bundestagsreden sowie Beiträgen und Interviews in der STÜTZE, der Berliner Behindertenzeitung sowie anderen Medien zahlreiche Publikationen:

  • „Schonzeit gab es nicht“ Eine Dokumentation zur Entstehung des Allgemeinen Behindertenverbandes in Deutschland e.V. „Für Selbstbestimmung und Würde“ (Allgemeiner Behindertenverband in Deutschland e.V.ABiD), Kolog-Verlag, 1990
  • „Alle Könige sind gleich“ Eine Dokumentation zur Entstehung des Allgemeinen Behindertenverbandes in Deutschland e.V. „Für Selbstbestimmung und Würde“ (Allgemeiner Behindertenverband in Deutschland e.V.ABiD), Band 2, Kolog-Verlag, 1991
  • „Versorgt bis zur Unmündigkeit““ Eine Dokumentation zur Entstehung des Allgemeinen Behindertenverbandes in Deutschland e.V. „Für Selbstbestimmung und Würde“ (Allgemeiner Behindertenverband in Deutschland e.V.ABiD), Band 3, Kolog-Verlag, 1991
  • „Sieger lernen nicht“, Lyrik von Ilja Seifert und „alle sind alle“ von Christian Schröder, ein Wendebuch, 1992
  • „Sintflut verhindern“, Lyrik von Ilja Seifert und „mauergewöhnt“ von Christian Schröder, ein NachWendeBuch, 1995
  • „MANCHE DENKEN SOGAR SELBST“ von Ilja Seifert und „SCHON DREIMAL KRÄHTE DER HAHN“ von Christian Schröder, WENDENACHLESE, Spotless Verlag 1998
  • „Irrgarten zerstören“, ein AbWendeBüchlein von Ilja Seifert & „scheinen will mir Zukunft“, ein AbWendeBüchlein von Christian Schröder, Spotless-Verlag 1999
  • „Ich riech‘ nun mal nach Mensch“, Sonette & andere UnArtigkeiten, 2001
  • „Lob der Unvollkommenheit“, Essayistische Betrachtungen zu Biomedizin, Gentechnik, Menschenbild und Gesellschaftskonzeption, Karl Dietz Verlag Berlin / Rosa-Luxemburg-Stiftung, Manuskripte 45, 2003
  • „Also: Laßt mich irren“ Lyrik, deutscher lyrik verlag, 2006
  • „Also: Laßt mich irren“ Lyrik. Neue erweiterte Ausgabe, deutscher lyrik verlag, 2010
  • „… UND AUCH DIE EROTIK“, Gedichte in deutscher und russischer Sprache, deutscher lyrik verlag, 2013
  • „Vorurteil, Du bist willkommen“, Gedichte, deutscher lyrik verlag, 2017
  • „Sterben wie im Märchen“, Ethik zwischen Embryos und Einäscherung – Essays aus 10 Jahren, Karin Fischer Verlag 2019
  • Lob des CHAOS“, Gedichte, deutscher lyrik verlag, 2020

In all diesen Publikationen befinden sich geistige Schätze, die noch nicht umfassend gehoben und erschlossen wurden. Das betrifft sowohl die Geschichte der Behindertenbewegung in der DDR sowie im wiedervereinigten Deutschland als auch zahlreiche behindertenpolitische Themen. Ilja Seifert hat die Behindertenbewegung und die Behindertenpolitik in Deutschland in den vergangenen drei Jahrzehnten maßgeblich mit geprägt. Das Allgemeiner Behindertenverband in Deutschland e.V.ABiD-Institut Behinderung & Partizipation (IB&P) wird dieses Erbe bewahren und in seiner weiteren Tätigkeit nutzen.

Lieber Ilja, Du hast gekämpft, gelebt und geliebt. Nun wirst Du uns sehr fehlen.

Für den Vorstand des IB&P
André Nowak
stellv. Vorsitzender
Wegbegleiter von Ilja Seifert seit 1990

 

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18. Mai 2022

Treffen mit Hauptgeschäftsführer Ulrich Schneider

Am 18. Mai 2022 trafen sich Allgemeiner Behindertenverband in Deutschland e.V.ABiD-Vorsitzender Marcus Graubner, sein Stellvertreter Klaus Heidrich, Geschäftsstellenleiterin Petra Heidrich sowie der stellv. Vorsitzende des IB&P André Nowak mit dem Hauptgeschäftsführer des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes, Dr. Ulrich Schneider in Berlin.

Allgemeiner Behindertenverband in Deutschland e.V.ABiD und das Allgemeiner Behindertenverband in Deutschland e.V.ABiD-Institut Behinderung & Partizipation sind aktive Mitglieder im Verband, André Nowak vertritt den Allgemeiner Behindertenverband in Deutschland e.V.ABiD zudem seit 2021 im Verbandsrat der Parität.

In dem sehr konstruktiven und informativen Gespräch ging es u.a. um die aktuelle Situation der Vereine und Selbsthilfegruppen in den Kommunen, um die Schaffung von Barrierefreiheit in Wohnungen und der öffentlichen Infrastruktur, um neue Vorhaben von Allgemeiner Behindertenverband in Deutschland e.V.ABiD und IB&P sowie eine engere Mitwirkung beider Organisationen innerhalb der Parität.

03. Mai 2022

Über die Vorstandssitzung am 29. April 2022

Die Sitzung des IB&P-Vorstandes fand am 29. April 2022 im Berliner ABACUS Tierpark-Hotel und online statt. Eingeladen waren neben dem Vorstand auch alle weiteren Mitglieder des Vereins.

Es war nach dem 9. Februar bereits die zweite Vorstandssitzung in diesem Jahr. Auf der Tagesordnung standen u. a. eine Verständigung zur aktuellen politischen Situation und daraus folgende Konsequenzen für das IB&P (besonders zur internationalen Zusammenarbeit) sowie zu den am 9. Februar vereinbarten Arbeitsschwerpunkten 2022.

Der Vorstand teilt die auch vom Allgemeiner Behindertenverband in Deutschland e.V.ABiD unterstützte Stellungnahme des BDWO zum Angriffskrieg Russlands gegen die Ukraine „Dem Frieden verpflichtet – Krieg ist keine Lösung!“ vom 1. März 2022. Die Zusammenarbeit mit den Behindertenorganisationen in den postsowjetischen Staaten war schon durch die Corona-Pandemie nur noch sehr eingeschränkt möglich und es besteht nun durch den Krieg die Gefahr, dass eine Zusammenarbeit mit den Partner-Organisationen auf längere Zeit zum Erliegen kommt.

Beschlossen wurden eine Geschäftsordnung für den IB&P-Vorstand sowie eine Finanzordnung.

Zustimmung gab es zum Relaunch der Homepage www.abid-institut.de, der neu eingerichteten Facebook-Seite sowie zum geänderten Vereins-LOGOs.

Die nächste Vorstandssitzung soll am 26. August 2022 in Berlin stattfinden.

10. Februar 2022

Informationen über die 1. Vorstandssitzung im Jahr 2022

Im Mittelpunkt der Vorstandssitzung am 09.02.2022 in der Allgemeiner Behindertenverband in Deutschland e.V.ABiD-Geschäftsstelle (und online) standen Nachbetrachtungen zur Mitgliederversammlung sowie zum Symposium am 13.12.2021 und eine Verständigung zur Arbeitsweise des neugewählten Vorstandes sowie zu den Arbeitsschwerpunkten im Jahr 2022.

Beschlossen wurde u.a., Vorstandssitzungen grundsätzlich mitgliederöffentlich durchzuführen und in der kommenden Vorstandssitzung eine Geschäftsordnung für den Vorstand sowie eine Finanzordnung zu beschließen. Bereits beschlossen wurde eine Reisekostenordnung.

Zur Verstärkung für den ehrenamtlichen Vorstand soll eine Stelle für eine studentische Hilfskraft geschaffen und ausgeschrieben werden.

Die Arbeitsschwerpunkte sollen an die inhaltlichen Überlegungen, die auf dem Symposium am 13.12.2021 in den Studien vorgestellt wurden, anknüpfen. Hierzu werden in Verantwortung verschiedener Vorstandsmitglieder Projektskizzen bzw. –anträge erstellt. Erstes Vorhaben als Beitrag des IB&P zum Aktionstag am 5. Mai soll am 29. April ein Runder Tisch „Barrierefreier Tourismus“ sein.

Weitere Vorstandssitzungen – jeweils in Verbindung mit einer öffentlichen inhaltlichen Veranstaltung sollen am 26. August, 14. Oktober sowie am 25./26. November (hier auch die jährliche Mitgliederversammlung) stattfinden.

14. Januar 2022

Djamila – ein Rolli-Bus für Kirgisistan

Vier Mitglieder des IB&P – Peter Halle, André Nowak, Mario Rödel und Maryia Rudz – machten gemeinsam mit dem Kirgisischen Behindertenverband KROI im Jahr 2021 sehr erfolgreich das Projekt „Djamila – ein Rolli-Bus für Kirgisistan“. Dies ist Teil unserer internationalen Zusammenarbeit. Mehr darüber auf der Homepage von „Djamila“ auf www.djamila-bdwo.de.

15. Dezember 2021

Symposium „IB&P 2025“

Zu einem Symposium lud das IB&P am 13. Dezember in das Restaurant „FIVE RIVERS“ in Berlin ein, um zu beraten, wie das Institut als Teil der deutschen und internationalen Behindertenbewegung durch seine Arbeit in den kommenden Jahren im Sinne seiner Satzung einen wertvollen Beitrag zur praxisorientierten wissenschaftlichen Fundierung unserer Selbstvertreterpolitik und Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention leisten kann. Nach der Eröffnung und Einführung durch den Vorsitzenden Dr. Ilja Seifert gab es mehrere kurze Referate zu einzelnen inhaltlichen Schwerpunkten des IB&P mit anschließender Diskussion.
Das Symposium wurde finanziell von der Deutschen Stiftung für Engagement und Ehrenamt gefördert.

14. Dezember 2021

Allgemeiner Behindertenverband in Deutschland e.V.ABiD-Institut mit neuem Vorstand und anspruchsvollem Programm

Um 17:00 Uhr eröffnete der Vorsitzende des Allgemeiner Behindertenverband in Deutschland e.V.ABiD-Instituts Behinderung & Partizipation (IB&P), Dr. Seifert, am 13. Dezember 2021 die Mitgliederversammlung des Vereins in einem Restaurant in der Nähe vom S-Bahnhof Berlin-Friedrichstraße. (MV). Nicht alle Mitglieder konnten coronabedingt persönlich nach Berlin kommen, deshalb gab es auch die Möglichkeit, online teilzunehmen.

Die Corona-Pandemie hatte auch manche Vorhaben des IB&P verhindert, so die geplante internationale Konferenz im Jahr 2020. Es war auch die erste Mitgliederversammlung des IB&P seit der Gründung im April 2018. Deshalb informierten Ilja Seifert mit dem Tätigkeitsbericht und Mario Rödel mit dem Finanzbericht auch über den Zeitraum von 2018 bis November 2021. Trotz aller Widrigkeiten konnte der Erfahrungsaustausch mit den Partnerverbänden in den 12 Staaten der ehemaligen Sowjetunion fortgesetzt werden, vor allem mittels Videokonferenzen. Zusammen mit dem Deutsch-Russischen Austausch – DRA e.V. wurde eine Ausstellung „überZEUGEN: Geschichten von Menschen mit Behinderungen“ mit Persönlichkeiten aus der Behindertenbewegung in Deutschland, Russland und der Ukraine produziert und im November/Dezember 2022 in Berlin sowie in vier Städten der Ukraine gezeigt, begleitet von zwei hybriden Podiumsdiskussionen.

Mit Projektförderung der Deutschen Stiftung für Engagement und Ehrenamt (DSEE) konnte das IB&P zum Ende diesen Jahres auch noch ein Symposium organisieren, in die IT-Technik für den ehrenamtlichen Vorstand investieren und einen Relaunch der Homepage realisieren.

Einstimmig erfolgte der Beschluss über die Entlastung des Vorstandes und die Annahme von mehreren Änderungen in der Satzung des IB&P.

Ebenso einstimmig erfolgte die Wiederwahl von Ilja Seifert zum Vorsitzenden, die Wahl von André Nowak zum stellvertretenden Vorsitzenden sowie die Wahl von Monika Tharann zur Schatzmeisterin. Mit einer Gegenstimme und bei einer Enthaltung wurden Hilmar Fränkel, Marcus Graubner und Dr. Karsten Lippmann als Beisitzer gewählt. (Qua Amt sind darüber hinaus im Vorstand seitens der ASH Dr. Heike Raab sowie für den Allgemeiner Behindertenverband in Deutschland e.V.ABiD e.V. Klaus Heidrich. Als Kassenprüfer*innen wurden Kathleen Schmidt und Mario Rödel gewählt.

03. August 2020

Nachruf: Uwe Hoppe

Wir trauern um Uwe Hoppe.

Am 23. Juli verstarb einer unserer zuverlässigsten Mitstreiter für Selbstbestimmung und Würde von Menschen mit den unterschiedlichsten Beeinträchtigungen. Uwe Hoppe war 1990 einer der Mitbegründer des Berliner (BBV) und des Allgemeinen Behindertenverbandes in Deutschland (Allgemeiner Behindertenverband in Deutschland e.V.ABiD). Dreißig Jahre lang widmete er nahezu seine gesamte Kraft der ehrenamtlichen Arbeit in unseren Selbstvertreter-Organisationen. Ob als Geschäftsstellenleiter oder Vorstandsmitglied oder auch als Schatzmeister – nie verlor er das Ziel aus den Augen: Es ging ihm immer um bessere Teilhabebedingungen für jede und jeden Einzelnen.

Obwohl sein Körper ihn in den letzten Jahren häufig zwang, mehrmonatige Krankenhausaufenthalte einzulegen, gründete er 2017 das Institut Behinderung & Partizipation (IB&P) mit und übernahm auch dort die Funktion des Schatzmeisters.

Während seiner gesamten aktiven Zeit blieb Uwe Hoppe aufgeschlossen, auch neue Wege zu gehen. So engagierte er sich stark für den internationalen Erfahrungsaustausch innerhalb der emanzipatorischen Behindertenbewegung. Insbesondere unsere Kontakte zu Partnerorganisationen in den postsowjetischen Staaten lagen ihm sehr am Herzen. Mehrmals empfing er Delegationen hier und nahm auch die Strapazen in Kauf, die Reisen in die Länder unserer Freunde so mit sich brachten. So fand seine Stimme auch international Beachtung.

Wir haben einen Mitstreiter verloren, dessen Erfahrung unersetzbar und dessen Zuverlässigkeit beispielhaft sind.
Marcus Graubner (ABiD)
Dominik Peter (BBV)
Dr. Ilja Seifert (IB&P)

6. April 2018

Institut Behinderung & Partizipation (IB&P) gegründet

Gänzlich unspektakulär gründeten wir am Donnerstag, dem 5. April 2018, in den Räumen der Berliner Alice-Salomon-Hochschule (ASH) das Allgemeiner Behindertenverband in Deutschland e.V.ABiD-Institut Behinderung & Partizipation (IB&P). Damit gehen wir einen weiteren Schritt in der praxisorientierten wissenschaftlichen Fundierung unserer Selbstvertreterpolitik. Als Rechtsform wählten wir die eines eingetragenen, gemeinnützigen Vereins. Er soll als An-Institut der ASH wirksam werden.

Dr. Seifert wurde die Ehre zuteil, zum Gründungsvorsitzenden gewählt zu werden. Stellvertreter ist Hilmar Fränkel aus Neubrandenburg. Zum Schatzmeister wurde Uwe Hoppe und zum Schriftführer Frank Viohl (beide Berlin) gewählt. Die wissenschaftliche Leitung obliegt Prof. Dr. Swantje Köbsell (Bremen), die schon bei vorangegangenen Allgemeiner Behindertenverband in Deutschland e.V.ABiD-Projekten federführend tätig war. Außerdem sind Elisabeth Scheier (Berlin), die ebenfalls maßgeblich an Vorgängerprojekten beteiligt war, und Marcus Graubner (Tangerhütte), der sehr auf den Praxisbezug unserer Forschungsarbeit schauen wird, Mitglieder des Gründungsvorstands.

Die nächsten Schritte werden – neben den Formalien beim Amtsgericht und dem Finanzamt – Projekt-Akquise und erste Veranstaltungen sein.

(v.l.n.r.: Swantje Köbsell, Elisabeth Scheier (mit Söhnchen Emil), Ilja Seifert und André Nowak, der als Wahlleiter fungierte)

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