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Kasachstan studiert Erfahrungen aus Deutschland, Menschen mit Behinderungen eine Teilhabe am Arbeitsmarkt zu ermöglichen

Bericht von André Nowak, stellv. Vorsitzender des IB&P, über das Projekt: Internationales Trainingsprogramm „Job Coach für Menschen mit Behinderungen“

om 10. bis 21. November 2025 realisierte das ABiD-Institut Behinderung & Partizipation e.V. (IB&P) in Partnerschaft mit der öffentlichen Stiftung „ITeachMe“ aus Kasachstan das 2. Modul des Projektes: Internationales Trainingsprogramm „Job Coach für Menschen mit Behinderungen“ in Berlin. Grundlage dafür war eine zwischen den Partnern abgeschlossene Vereinbarung.

Dabei ging es um die Organisation und Durchführung eines Weiterbildungsprogramms für fünf Mitarbeiterinnen des Zentrums für Arbeitsmobilität sowie zwei Mitarbeiterinnen der ITeachMe Foundation, das auf die Stärkung der Kompetenzen von Spezialistinnen im Bereich der Unterstützung der Beschäftigung von Menschen mit Behinderungen, den Austausch internationaler Erfahrungen und die praktische Entwicklung moderner Instrumente und Ansätze abzielt.

Hierzu wurden von André Nowak, stellv. IB&P-Vorsitzender, zahlreiche Vorträge von und Gespräche mit Expertinnen und Experten, Studienbesuche in Behörden, Institutionen und Unternehmen sowie Einzel- und Gruppenprojekte organisiert. Als Dolmetscher standen vom IB&P Monika Tharann, Norbert Nier und Mario Rödel zur Verfügung.

Zum Programm gehörten Treffen und Gespräche in zahlreichen Behörden, Institutionen und Unternehmen, die nachfolgend in chronologischer Reihenfolge genannt werden:

  • Stiftung Rehabilitationszentrum Berlin-Ost mit Inklusionsbetrieb LIDIS – Dienstleistungsgesellschaft mbH und LWB -Lichtenberger Werkstätten gGmbH (12.11.)
  • Inklusionsbetrieb „Hotel Rossi“ (12.11.)
  • Berufsförderungswerk Berlin-Brandenburg (13.11.)
  • Bundesministerium für Arbeit und Soziales (13.11.)
  • Bezirksamt in Berlin-Friedrichshain-Kreuzberg inklusive Jobcenter, Jugendberufsagentur, Teilhabefachdienst und Inklusionsbeauftragte (14.11.)
  • Integrationsfachdienst Mitte (14.11.)
  • Vortrag und Diskussion mit Dr. Julia Würtz, Focal Point zur Umsetzung der UN-BRK, Berliner Senatsverwaltung für Arbeit und Soziales (15.11.)
  • Agentur für Arbeit (BfA) in Berlin-Mitte inklusive Schwerbehindertenvertretung der BfA (17.11.)
  • Botschaft der Republik Kasachstan (17.11.)
  • Deutscher Bundestag, Büro des Abgeordneten Sören Pellmann, inklusive Führung durch das Reichstagsgebäude (17.11.)
  • Alice-Salomon-Hochschule Berlin (18.11.)
  • MINA – Leben in Vielfalt e.V. und deren Ergänzende unabhängige Teilhabeberatung (EUTB) (18.11.)
  • Union Sozialer Einrichtungen gGmbH (19.11.)
  • Einheitliche Ansprechstellen für Arbeitgeber -EAA (19.11.)
  • Unternehmen „Berlin-Chemie AG“ mit der „Geschützten Abteilung“ (20.11.)

Zum Programm gehörten ebenso mehrere Vorträge und Gesprächsrunden mit Vertretern des IB&P und des Dachverbandes „Allgemeiner Behindertenverband in Deutschland >Für Selbstbestimmung und Würde< e.V.“ (ABiD) sowie die Arbeit mit Fallbeispielen – die Lösungsansätze für die sechs Fälle wurden in der Abschlussveranstaltung am 20.11. von den Teilnehmerinnen präsentiert.

Abgerundet wurde das Programm mit einem Besuch des Inklusions-Theaters „Thikwa“ mit dem Stück „Die Tüten der Verwaltung“ (16.11.), mit der Teilnahme an einer festlichen Abendveranstaltung anlässlich des 35. Jahrestages des ABiD (15.11.), sowie einem Abendessen auf Einladung des IB&P am ersten und letzten Abend in Berlin.

In der Abschlussveranstaltung am 20. November schätzten alle kasachischen und deutschen Teilnehmenden ein, dass das Programm sehr lehrreich und erfolgreich war. Alle Programmpunkte waren gut vorbereitet, die Treffen in den Institutionen und Unternehmen waren sehr informativ und von Offenheit sowie Gastfreundschaft geprägt. Alle Teilnehmenden erhielten ein Zertifikat.

Zakhira Begaliyeva und André Nowak unterzeichneten für das „ITeachMe – Kompetenzentwicklungszentrum“ und das „Zentrum für Arbeitsmobilität in Almaty“ sowie für das „ABiD-Institut Behinderung & Partizipation e.V.“ ein Memorandum über die weitere Zusammenarbeit.

Kurzes Fazit von André Nowak: „Auch ich habe in den 10 Tagen viel gelernt – über das Leben und behindertenpolitische Aktivitäten in Kasachstan, aber auch darüber, wie Behörden, Institutionen und Unternehmen in Deutschland versuchen, Menschen mit Behinderungen die Teilhabe am Arbeitsmarkt im Sinne von Artikel 27 der UN-Behindertenrechtskonvention zu ermöglichen. 

Ich habe erlebt: Es gibt viele hiermit beschäftigte Einrichtungen und Personen. Es gibt zahlreiche Gesetze, Verordnungen, Programme und Maßnahmen und es ist auch viel Geld im System. Trotzdem ist das Ergebnis unbefriedigend. Menschen mit Behinderungen sind überdurchschnittlich von Arbeitslosigkeit betroffen bzw. sind in prekären Beschäftigungsverhältnissen. Viele kämpfen im Behördendschungel und andererseits beschäftigen viele Unternehmen trotz der gesetzlichen Schwerbehindertenquote keine bzw. zu wenige Menschen mit Behinderungen.

Insofern bin ich überzeugt, dass das in der Form erstmalig durchgeführte Programm sowohl in unserer Zusammenarbeit mit Kasachstan, als auch in der weiteren Arbeit des IB&P auf nationaler Ebene nachhaltig wirken wird.“

Zum Hintergrund: Das IB&P und der ABiD arbeiten seit über 15 Jahren mit Behindertenverbänden aus 12 Staaten in Zentralasien, Osteuropa und im Kaukasus zusammen. Aus dieser Zusammenarbeit entwickeln sich u.a. bilaterale Projekte und Erfahrungsaustausche, so auch dieses Job-Coaching-Programm. Das Programm ist Bestandteil einer Initiative der Stadt Almaty, sich zu einer inklusiven Stadt mit Vorbildcharakter für die Republik Kasachstan zu entwickeln.

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